„Und wo lade ich das Ding dann?“ Diese Frage hören Besitzer eines Elektro-Campers ständig. Die Antwort fällt 2026 deutlich entspannter aus als noch vor wenigen Jahren: Die Elektro-Camper Ladeinfrastruktur in Europa ist dichter, schneller und besser vernetzt, als viele denken. In diesem Artikel zeigen wir dir das an beliebten Camping-Zielen, mit eigenen Karten und mit Quellen zum Nachprüfen.
Ladeinfrastruktur für Elektro-Camper: Das Netz wächst schneller, als du denkst
Ende 2025 gab es in der EU erstmals mehr als eine Million öffentliche Ladepunkte. Laut dem European Alternative Fuels Observatory waren es genau 1.061.890. Ein Jahr zuvor lagen sie noch bei rund 882.000. Das ist ein Plus von etwa 20 Prozent in nur zwölf Monaten.
Natürlich ist das Netz nicht überall gleich dicht. Die Niederlande kommen auf 202.833 Ladepunkte, Deutschland auf 200.830, Frankreich auf 186.717. Belgien und Italien folgen mit 98.707 und 70.039. Kleine Staaten wie Malta (113) oder Zypern (761) haben deutlich weniger. Für Camper bleibt die Lage trotzdem gut: Auf den üblichen Transitrouten durch die Niederlande, Deutschland oder Frankreich ist das Netz sehr dicht.
Die Spielregel der EU: alle 60 Kilometer laden
Der Ausbau ist kein Zufall. Die EU-Verordnung AFIR schreibt vor, dass an den wichtigsten Fernstraßen (dem TEN-T-Kernnetz) höchstens 60 Kilometer zwischen zwei Ladestandorten liegen dürfen, und zwar in jeder Fahrtrichtung. Dazu kommt Schnellladen mit mindestens 150 Kilowatt.
Ob das nur auf dem Papier steht? Nein. Laut einer Auswertung, über die electrive.net im Juli 2026 berichtet, verfehlt nur ein einziges EU-Land die AFIR-Ziele. 20 von 27 Ländern haben ihre Ziele für 2027 im Gesamtnetz rund 18 Monate vor der Frist erreicht. EU-weit sind zudem bereits 64 Prozent der für 2030 nötigen Infrastruktur installiert.
Für dich heißt das: Du musst nicht bangen, ob irgendwo zwischen Start und Ziel eine Säule steht. Du suchst dir die Stopps aus, die zu deinem Tempo passen. Der TÜV SÜD rechnet bei größeren Wohnwagen mit einer Ladepause nach rund 200 Kilometern. Das ist ohnehin eine gute Gelegenheit für Kaffee und Beine vertreten. Außerdem ist der Stecker in Europa einheitlich: Alle Staaten setzen auf CCS.
Acht Reiseziele und ihre Ladekarten
Theorie ist schön, aber wie sieht es dort aus, wo Camper wirklich hinfahren? Wir haben acht Ziele ausgewählt. Gardasee, Rügen und Fehmarn zählen laut einer Auswertung von BeyondCamping zu den begehrtesten Camping-Zielen der Deutschen, Katalonien nennt promobil als ideales Ziel für Sonne und Strand. Dazu kommen die Algarve und Istrien als klassische Küstenreisen. Schottland, die Lofoten und die norwegischen Fjorde sind außerdem meine persönlichen Lieblingsziele, deshalb dürfen sie hier nicht fehlen.
Gardasee: Italiens Camper-Klassiker mit dichtem Netz
Der Gardasee ist mit 138.000 Suchanfragen das beliebteste Ziel der BeyondCamping-Auswertung. Er ist auch beim Laden ein Vorzeigebeispiel: Das Verzeichnis von gardavisit.it führt rund um den See 59 Standorte mit 149 Ladepunkten. In Peschiera del Garda gibt es unter anderem acht CCS-Punkte mit 300 kW und vier mit 350 kW. Bei Affi hat Ionity einen Ladepark mit 18 Schnellladern (bis 350 kW) eröffnet. Dazu kommen Tesla Supercharger in Castelnuovo del Garda (20 Plätze, bis 250 kW) und in Affi.
Rügen und Fehmarn: Stralsund als Tor zur Insel
An der Ostsee sind die Wege kurz. Der Tesla Supercharger in Stralsund bietet 12 Plätze mit bis zu 250 kW. Auf Rügen und am Darß hat der kommunale Versorger SWS bereits 2020 zwölf neue Ladesäulen in Betrieb genommen. Wer nach Fehmarn will, findet einen Supercharger mit 8 Plätzen in Oldenburg in Holstein. Die Datenlage ist hier dünner als am Gardasee. Ein Blick in die Lade-App vor der Abfahrt lohnt sich.
Algarve: Superlader am Einkaufszentrum und Hotel-Lader an der Küste
Die Algarve steht bei vielen Camper-Reisen auf dem Plan. Der Tesla Supercharger bei Loulé/Almancil hat 24 Plätze mit bis zu 250 kW, rund um die Uhr geöffnet und für CCS-Fahrzeuge anderer Marken zugänglich. Allein in Lagos listet Electromaps 16 Ladestationen. Zusätzlich bieten viele Hotels und Marinas von Sagres bis Castro Marim Destination-Lader.
Costa Brava: Schnellladen in Girona, Hotel-Lader an der Küste
Katalonien gilt 2026 als ideales Ziel für Sonne und Strand. Der Supercharger in Girona hat 4 Plätze mit bis zu 150 kW. An der Küste führt Tesla in Roses, Lloret de Mar, Palafrugell, L'Escala und Platja d'Aro vor allem Hotel-Lader auf. Unsere Stichprobe zeigt hier mehr Übernachtungs- als Schnellladepunkte. Plane deshalb den Ladestopp in Girona ein und lade den Rest dort, wo du ohnehin schläfst.
Istrien und Kvarner: Hier lohnt der Blick auf die Route
Istrien und die Kvarner Bucht sind ein klassisches Wohnmobil-Ziel, dem Roadsurfer eine eigene Reiseroute widmet. Das Ladenetz ist hier dünner, und der TÜV SÜD sagt dasselbe über Italien und Kroatien. Tesla listet in Kroatien 17 Supercharger-Standorte, darunter zwei bei Rijeka (Vrata Jadrana). In Istrien selbst gibt es laut einem Reiseblog öffentliche Ladestationen in Pula, Poreč, Novigrad und Opatija sowie Hotel-Lader in Savudrija, Rovinj und Opatija. Mit etwas Vorbereitung klappt das gut.
Schottland: Highlands und Skye mit Schnelllader-Netz
Schottland gehört zu meinen Lieblingszielen. Die Highlands sind ein Sehnsuchtsziel für Camper, und beim Laden sind sie besser aufgestellt, als der Ruf der Einsamkeit vermuten lässt. Das Netz ChargePlace Scotland zählte nach einem Polestar-Beitrag vom Januar 2024 schon 2.286 Ladepunkte in Schottland, an den Küsten und auf den Inseln gibt es dort eine Mischung aus Schnellladern und 7,3-kW-Ladern. In Fort William steht außerdem ein Tesla Supercharger mit 6 Plätzen und bis zu 250 kW, offen für Fahrzeuge mit CCS-Anschluss. Auf Skye listet Zap-Map in ihrer Auswahl Schnelllader unter anderem in Broadford, Kyleakin, Dunvegan und Uig, in Portree gleich an mehreren Standorten.
Zwei Tipps aus dem Polestar-Beitrag: Besorge dir vor der Abreise eine ChargePlace-Scotland-Karte, und plane Ladestopps im Voraus, denn der Handyempfang ist nicht überall verlässlich. In der Hochsaison kann es an Schnellladern Wartezeiten geben.
Lofoten: Supercharger nördlich des Polarkreises
Die Lofoten gehören ebenfalls zu meinen Lieblingszielen. Selbst dort musst du nicht auf schnelles Laden verzichten. In Svolvær steht ein Supercharger mit 15 Plätzen und bis zu 250 kW, offen für Fahrzeuge mit CCS-Anschluss. Ein Reiseblog zur Nordnorwegen-Route nennt weitere Stationen: einen Schnelllader mit 150 kW in Ramberg, der „selten eine Schlange“ hat, einen Ionity-Standort mit 300 kW in Tromsø und einen 150-kW-Lader in Finnsnes. Auf dem Wohnmobil-Stellplatz im Hafen von Svolvær gibt es laut demselben Blog Typ-2-Steckdosen mit 22 kW. Das passt zum Camper-Alltag: Du lädst über Nacht, wo du ohnehin stehst.
Ehrlich bleiben gehört dazu. Ein Erfahrungsbericht aus dem Jahr 2021 (über 2.000 Kilometer mit einem VW ID.4 ab Bodø) beschreibt das Laden zwischen den Lofoten und Tromsø als gut machbar, mit meist rund 50 kW und teils 75 bis 100 kW. Auf Senja war das Netz dünner, und manche Anbieter verlangten eine App-Registrierung, die ohne norwegische Adresse knifflig war. Der Reiseblog rät deshalb zu einem langen Typ-2-Kabel, einer Lade-App wie Recharge und bei Kälte zu bis zu 30 Prozent weniger Reichweite in der Planung.
Norwegens Fjorde: Im Elektroland ganz entspannt
Auch die norwegischen Fjorde zähle ich zu meinen Lieblingszielen, und Norwegen ist der Beweis, dass es funktioniert. Fast 96 Prozent der Neuzulassungen waren 2025 elektrisch, und das Land zählt nach Angaben des Norwegischen Elektroauto-Verbands 10.670 Schnellladepunkte, einen auf rund 85 Elektroautos. In der Fjordregion listet die Tesla-Standortliste Supercharger unter anderem in Bergen (Åsane), Voss, Aurland, Lærdal, Førde, Stryn, Ålesund, Åndalsnes, Molde und Kristiansund. Für Geiranger selbst nennt die Liste keinen Standort, hier planst du den Ladestopp vor oder nach dem Fjord ein. Ob ein Supercharger auch für andere Marken offen ist, zeigt die Tesla-Standortsuche.
Dazu kommen die Extras eines Fjord-Urlaubs: Laut Fjord Norway zahlen Elektroautos auf den staatlichen und regionalen Fähren 50 Prozent weniger für Auto und Fahrer, an Mautstellen gibt es für E-Autos deutlich niedrigere Preise, und viele Hotels laden für Gäste. Für die Zahlung empfiehlt Fjord Norway Apps wie PlugShare zur Suche und die Apps der großen Anbieter oder Ladekarten.
Fair bleiben: Hier lohnt sich etwas Planung
Ein ehrliches Bild gehört dazu. Das Ladenetz ist kein Selbstläufer, aber mit ein paar Handgriffen gut beherrschbar:
- Der Süden ist dünner besetzt. Der TÜV SÜD nennt Italien und Kroatien ausdrücklich als Regionen, in denen du die Route vorab prüfen solltest.
- Der hohe Norden braucht mehr Planung. Auf den Lofoten oder Senja sind Stationen seltener, und bei Kälte sinkt die Reichweite. Ein Reiseblog rechnet mit bis zu 30 Prozent weniger.
- Hotel-Lader sind oft für Gäste. Ein Reiseblog zu Istrien beschreibt die dortigen Tesla Destination Charger als nur für Hotelgäste gedacht. Frag im Zweifel nach.
- Campingplätze sind kein Selbstbedienungsladen. Laden an der Camping-Steckdose ist oft nicht erlaubt, weil der hohe Strombedarf die Pauschale sprengt. Frag vorher nach.
- Preise und Blockiergebühren schwanken. Die Europäische Verbraucherzentrale rät, sich vor der Reise mit den Gepflogenheiten im Urlaubsland vertraut zu machen.
Wichtig zu unseren Karten: Sie sind schematisch gezeichnet und zeigen eine Stichprobe von Standorten, die sich über Tesla, Verzeichnisse und Fachmedien belegen ließen. Sie ersetzen keine Echtzeit-Karte. Ob eine Säule frei und funktionsfähig ist, siehst du nur in einer aktuellen Lade-App.
Fünf Tipps für entspanntes Laden mit dem Elektro-Camper
- Route mit einer Lade-App planen. Lege Ladestopps und mindestens eine Ausweichsäule fest, besonders im Süden.
- Nie mit der letzten Reserve zur Säule. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, immer noch die nächste Ladestation erreichen zu können.
- Eine Ladekarte oder App mit Roaming nutzen. Dann heißt es im Ausland meist nur Karte dran, fertig.
- Den Übernachtungsplatz mitdenken. Frage Campingplätze und Stellplätze nach Lademöglichkeiten und lade, wo du ohnehin stehst.
- Pausen zum Laden nutzen. Die Pause tut laut TÜV SÜD nicht nur der Technik gut, sondern auch dir und deinen Mitreisenden.
Häufige Fragen zur Ladeinfrastruktur für Elektro-Camper
Reicht die Ladeinfrastruktur in Europa für einen Elektro-Camper?
Auf den Hauptrouten ja. Die EU schreibt im TEN-T-Kernnetz höchstens 60 Kilometer zwischen Ladestandorten vor, und fast alle Mitgliedstaaten erfüllen die Ziele. In Süd- und Südosteuropa solltest du die Route vorab genauer planen.
Darf ich mit einem Elektro-Camper an Tesla Superchargern laden?
An den Standorten, die wir geprüft haben (zum Beispiel Svolvær und Loulé), nennt Tesla die Stationen für Fahrzeuge mit CCS-Anschluss offen. Prüfe das vor Ort in der Tesla-Standortsuche oder in deiner Lade-App.
Kann ich meinen Elektro-Camper auf dem Campingplatz laden?
Manche Plätze bieten Ladestationen, viele schließen Laden an der normalen Camping-Steckdose aber aus. Frag den Betreiber vorab.
Fazit: Trau dich
Mehr als eine Million Ladepunkte, ein verbindlicher 60-Kilometer-Rhythmus an den Hauptachsen und leistungsstarke Ladeparks an Orten wie dem Gardasee zeigen: Die Ladeinfrastruktur ist kein ernsthaftes Argument mehr gegen einen vollelektrischen Camper. Plane etwas mehr in Südeuropa, bleib flexibel und nutze die Pausen. Dann wird aus der Sorge ums Laden eine Reise, die entspannter startet und leiser unterwegs ist.
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Quellen
- ecomento.de: EU-Ladeinfrastruktur überschreitet eine Million Ladepunkte (24.06.2026)
- AUTO BILD: Europas Ladenetz knackt die Millionen-Marke
- electrive.net: Report: Nur ein EU-Land verfehlt AFIR-Ladeziele (20.07.2026)
- ICCT: AFIR EU Policy Update
- ecomento.de: EU-Verordnung AFIR (23.09.2025)
- Motor1: Urlaubsreise mit dem Elektroauto, Tipps vom TÜV SÜD und TÜV SÜD: Urlaubsreise mit dem Elektroauto
- Leinetal24: Top 11 der begehrtesten Urlaubsziele in Europa (BeyondCamping)
- promobil: Camping-Tipps 2026
- gardavisit.it: Ladestationen für Elektroautos rund um den Gardasee
- electrive.net: Ionity eröffnet bisher größten Ladepark am Gardasee
- EV Magazine: Supercharger Castelnuovo del Garda und Girona
- Tesla: Supercharger Stralsund, Oldenburg in Holstein, Loulé, Svolvær
- Tesla: Supercharger in Kroatien, Destination Charging Portugal, Destination Charging Spanien
- electrive.net: Zwölf neue Ladesäulen rund um Rügen (2020)
- Electromaps: Ladestationen in Lagos
- Chasing the Donkey: Where to charge your electric car in Croatia
- Roadsurfer: Mit dem Wohnmobil nach Istrien & zur Kvarner Bucht
- AUTO BILD: Campingplätze mit Ladestation
- auto-medienportal.net: Ratgeber Mit dem Elektroauto in den Urlaub und VW Financial Services: Mit dem E-Auto in den Urlaub
- Polestar: Is this Scottish road the best EV destination in the world right now? (Januar 2024)
- Tesla: Supercharger Fort William
- Zap-Map: Isle of Skye und Portree
- Dream Big Travel Far: Northern Norway Road Trip Itinerary
- Mobility: Norwegen-Reise im Elektroauto, ein Erfahrungsbericht (2021)
- electrive.net: Rund 1.200 neue Schnellladepunkte in Norwegen (Januar 2026)
- meinauto.de: Fast 96 Prozent E-Autos, Rekordjahr in Norwegen
- Tesla: Supercharger in Norwegen
- Fjord Norway: Mit dem Elektroauto nach und in Fjord Norwegen
Stand der Recherche: 21.10.2026. Zahlen und Standorte können sich ändern.