Wie steht es um die Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen?
Wir sind gerade mit dem Camper in Deutschland unterwegs.
Auf dem einen oder anderen Platz gab es einzelne Ladestationen für Elektroautos und Elektro-Camper. Ansonsten konnte ich keine Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen feststellen.
Grund genug, die aktuelle Lage der Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen insgesamt zu recherchieren. Meine Recherche hat folgendes ergben:
Nur rund 13,4 Prozent der deutschen Campingplätze bieten eine eigene Ladestation für Elektroautos. Wie steht die Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen im europäischen Vergleich da und was ist am Stellplatz möglich und was nicht?
Zeitpunkt der Recherche ist der 1. August 2026, die gefundenen Zahlen sind jedoch größtenteils aus dem Vorjahr. Die Quellen habe ich jeweils angegeben.
Das Wichtigste in Kürze
- 13,4 % der bei PiNCAMP gelisteten deutschen Campingplätze haben eine eigene E-Ladestation – über 250 Anlagen.[1]
- Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im hinteren Mittelfeld: Die Niederlande kommen auf 23,6 %, Österreich auf 23,2 %.[1]
- Ein Stromanschluss am Stellplatz ist fast überall vorhanden – zum Laden eines E-Autos ist er aber nicht ausgelegt und meist nicht freigegeben.[1][5]
- Eine amtliche Erhebung gibt es nicht. Alle verfügbaren Zahlen stammen aus Portal-Datenbanken mit unterschiedlichen Definitionen.
Wie viele Campingplätze in Deutschland haben eine Ladestation?
Die belastbarste verfügbare Zahl stammt aus der Marktforschung von PiNCAMP, dem Campingportal des ADAC, die die Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen im letzten Jahr untersucht hat: Demnach boten im Sommer 2025 rund 13,4 Prozent der dort gelisteten deutschen Campingplätze eine Lademöglichkeit für Elektroautos an – insgesamt mehr als 250 Anlagen.[1]
Zwei Einschränkungen sind für die Einordnung entscheidend. Erstens bezieht sich der Anteil auf die bei PiNCAMP gelisteten Plätze, rechnerisch also auf rund 1.870 Betriebe. In Deutschland gibt es aber über 3.200 Campingplätze.[2] Auf den Gesamtmarkt bezogen fällt die Quote also niedriger aus. Zweitens ist die Erhebung inzwischen rund ein Jahr alt – und der Ausbau läuft weiter.
Notiz am Rande: Die PinCAMP App habe ich in der kostenlosen Version während unseres Urlaubs einmal zum buchen eines Platzes genutzt. Für 2 Nächte, die jeweils 33€ gekostet haben, hat die reine Buchung über die App 15,52€ an Zusatzkosten verursacht. Das fand ich doch recht happig… Aber darum soll es jetzt nicht weiter gehen.

| Land | Anteil mit Ladestation | Anlagen |
|---|---|---|
| Niederlande | 23,6 % | 368 |
| Österreich | 23,2 % | 85 |
| Dänemark | 20,5 % | – |
| Kroatien | 18,4 % | – |
| Italien | 18,2 % | – |
| Belgien | 16,9 % | – |
| Deutschland | 13,4 % | über 250 |
| Frankreich | 11,2 % | 493 |
Bemerkenswert ist der Blick auf Frankreich: Dort steht zwar die mit Abstand größte Zahl an Anlagen mit Ladepunkt, wegen der schieren Menge an Campingplätzen liegt der Anteil aber unter dem deutschen Wert.[1]
Absolute Zahlen und Quoten erzählen also zwei verschiedene Geschichten – für die Reiseplanung zählt die Quote, für die Verfügbarkeit vor Ort eher die absolute Zahl in der jeweiligen Region.
Drei Ebenen der Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen
„Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen“ meint je nach Platz drei völlig unterschiedliche Dinge – mit jeweils eigener Datengrundlage. Wer die Ebenen vermischt, kommt zu falschen Schlüssen.

- Eigene Ladestation. Eine separate Wallbox oder Typ-2-Säule, unabhängig vom Parzellenstrom betrieben – die einzige Kategorie mit einer erhobenen Quote von 13,4 Prozent.[1]
- Stromanschluss am Stellplatz. Die Versorgung mit 16-Ampere-Anschlüssen ist auf Campingplätzen praktisch flächendeckend vorhanden. Für E-Auto-Fahrer wird deshalb ein passender Adapter empfohlen.[1] Laden ist damit technisch möglich – aber nur mit Erlaubnis des Betreibers.
- Wallbox direkt an der Parzelle. Praktisch nicht verbreitet, weil das Platznetz dafür nicht ausgelegt ist. Belastbare Zahlen liegen für diese Kategorie nicht vor.
Laden am Stellplatz: Was technisch geht – und was erlaubt ist
CEE 16 A: 3,7 kW und viel Geduld
Der blaue Campingstecker liefert bei 16 Ampere rund 3,7 Kilowatt. Für einen typischen 60-kWh-Akku bedeutet das gut 16 Stunden für eine volle Ladung – mit Ladeverlusten eher 18 Stunden. Wer vom Platzbetreiber auf 6 Ampere gedrosselt wird, kommt auf etwa 1,4 Kilowatt und braucht rechnerisch mehr als 40 Stunden.
Für einen Wochenendtrip reicht das nicht, für einen zweiwöchigen Standurlaub mit gelegentlichen Ausflügen dagegen problemlos.
Warum viele Plätze das Laden untersagen
Die Stromversorgung an den Parzellen ist für Kühlschrank, Licht und Wasserpumpe ausgelegt – nicht für die Dauerlast eines Elektroautos. Laden mehrere Gäste gleichzeitig, droht eine Überlastung des Platznetzes mit Ausfällen oder teuren Netzproblemen.[5]
Dazu kommt die Kalkulation: Die pauschale Stromgebühr im Übernachtungspreis deckt den Verbrauch eines E-Autos nicht ansatzweise, weshalb viele Betreiber das Laden ausdrücklich ausschließen – wer ohne Rückfrage lädt, riskiert den Platzverweis.[1]
Die pragmatische Zwischenlösung
Einzelne Plätze geben das Laden an jedem Stellplatz frei, allerdings streng reglementiert. Ein Ostsee-Campingplatz etwa stellt eigene Adapter gegen Kaution zur Verfügung, begrenzt auf 6 Ampere bei 230 Volt, rechnet den Verbrauch nach Kilowattstunden ab und untersagt die Nutzung eigener Kabel.[6]
Solche Modelle lösen gleich zwei Probleme auf einmal: Sie begrenzen die Netzlast und stellen eine faire Abrechnung sicher.
Warum der Ausbau langsamer läuft als gedacht
Camping boomt: 2025 zählte Deutschland rund 44,7 Millionen Campingübernachtungen, ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.[3] Die Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen hält damit nicht Schritt.
Aus Branchensicht liegt das vor allem an fehlenden Netzkapazitäten und hohen Investitionskosten – während viele Plätze ihren eigenen Fuhrpark längst elektrifiziert haben, bleibt die Gästeversorgung die größere Hürde.[7]
Technisch kommen Details hinzu, die von außen selten sichtbar sind: Ab 11 Kilowatt braucht ein Ladepunkt nicht nur eine Meldung, sondern eine Genehmigung des Netzbetreibers.
Einphasig ladende Fahrzeuge erzeugen zudem eine Schieflast im Netz, und der Gleichzeitigkeitsfaktor entscheidet darüber, wie viele Ladepunkte ein Platz überhaupt anschließen kann.[8] Ein Campingplatz kann also nicht einfach zehn Wallboxen aufstellen.
Praxis-Tipps für die Reise mit E-Auto und Camper
- Vorher fragen, nicht vor Ort. Idealerweise klärt man schon bei der Buchung, ob geladen werden darf und zu welchem Preis. Kilowattstundengenaue Abrechnung ist fairer als eine Pauschale – für beide Seiten.
- Mobile Ladestation mitnehmen. Ein Gerät mit wechselbaren Adaptern von Schuko bis CEE blau deckt praktisch jede Situation auf dem Platz ab.[1]
- Ladeverzeichnisse nutzen. Im Verzeichnis von GoingElectric sind aktuell 306 Campingplatz-Standorte mit 1.011 Ladepunkten erfasst, darunter 115 klassische CEE-blau-Anschlüsse.[4]
- Rangieren einplanen. An vielen Schnellladeparks ist ein Gespann nicht vorgesehen – der Wohnwagen muss abgekoppelt werden.
- Puffer für Ausfälle. Ein ADAC-Praxistest mit E-Gespann brauchte auf 1.281 Kilometern acht Ladevorgänge für 522 Kilowattstunden; zwei angefahrene Schnellladeparks waren komplett außer Betrieb.[9]
Fazit
13,4 Prozent sind eine solide Ausgangslage, aber ich sehe bei der Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen noch deutlich Luft nach oben.
Wer mit dem Elektroauto zum Camping fährt, plant die Ladestopps derzeit noch überwiegend auf der Strecke und nicht am Ziel. Für Standurlaube ändert sich das gerade spürbar. Auch wenn die Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen noch gering es, es gibt sie!
Und wer sicher gehen will, fragt vor der Buchung nach – die Auskunft des Platzbetreibers ist derzeit verlässlicher als jede Datenbank.
An vielen Plätzen, auf denen wir waren habe ich aber auch geprüft, welche Lademöglichkeiten in der Umgebung sind. Allein durch das sehr gut ausgebaute Tesla Supercharger Netzwerk hatten wir nahezu immer einen Supercharger in nicht allzu großer Entfernung.
Nur einmal waren lediglich Tesla Destination Charger, die zu Hotels gehören, in der näheren Umgebung. (Ich habe allerdings, weil ich Tesla fahre, nur danach geschaut und all die anderen Ladesäulen nicht näher geprüft.)

Es kommt natürlich auch auf das Reiseverhalten an. Wir sind mit einem REISEmobil unterwegs, d.h. wir bleiben maximal zwei Nächte an einem Platz und fahren dann weiter.
Selbst wenn ich in einem Elektro-Camper übernachte, zwei Nächte im Camp Modus verbringe und vorher in der Nähe vollgeladen habe, sollte es auch problemlos klappen, wenn am Platz selbst keine Ladeinfrastruktur vorhanden ist.
Die Wohnwagenfraktion, die mehrere Wochen an einem Platz bleibt, ist in der Regel mit dem Zugfahrzeug auf Tagestouren und findet dementsprechend vermutlich auch außerhalb des Platzes ein Lademöglichkeit.
Von daher: Auch wenn die Ladeinfrastruktur auf deutschen Campingplätzen noch überschaubar ist, klappen sollte der Urlaub im Elektro-Camper dennoch.
Häufige Fragen
Kann ich mein E-Auto auf jedem Campingplatz laden?
Nein. Rund 13,4 Prozent der gelisteten deutschen Plätze haben eine eigene Ladestation.[1] Am Stellplatz ist Laden über den CEE-Anschluss zwar oft technisch möglich, aber nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Betreibers.
Wie lange dauert das Laden am Campingstrom?
Bei 16 Ampere und 3,7 Kilowatt dauert eine Vollladung eines 60-kWh-Akkus etwa 16 bis 18 Stunden. Bei gedrosselten 6 Ampere sind es über 40 Stunden.
Warum verbieten manche Campingplätze das Laden?
Weil das Parzellennetz nicht für die Dauerlast ausgelegt ist und eine Überlastung droht[5] – und weil der Stromverbrauch eines E-Autos die Pauschale im Übernachtungspreis sprengt.[1]
Welches Land in Europa ist am besten ausgestattet?
Die Niederlande: Dort verfügen 23,6 Prozent der gelisteten Campingplätze über eine Ladestation, gefolgt von Österreich mit 23,2 Prozent.[1]
Brauche ich ein spezielles Ladekabel für den Campingplatz?
Sie brauchen eine mobile Ladestation mit CEE-blau-Adapter. Manche Plätze verleihen eigene Adapter und untersagen fremde Kabel ausdrücklich.[6]
Quellen
- AUTO BILD, Roland Wildberg: „Camping mit Elektroauto: Auf diesen Campingplätzen kann man laden“, 30.08.2025 – enthält die PiNCAMP-/ADAC-Marktforschung zu Anteilen und Anlagenzahlen.
autobild.de/artikel/campingplaetze-mit-ladestation-e-auto-26231927.html - BVCD e.V. – Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland, „Zahlen und Werte“ (Anzahl der Campingplätze in Deutschland).
bvcd.org/fakten/zahlen-und-werte - Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung vom 30.03.2026 zu den Campingübernachtungen 2025, Pressemitteilung Nr. N020: „Camping boomt weiter: 44,7 Millionen Übernachtungen im Jahr 2025″.
destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_N020_45412_61.html - GoingElectric.de, Ladesäulenverzeichnis, Kategorie Campingplatz – Abruf am 01.08.2026. Crowdgepflegtes Verzeichnis, europaweit, kein amtliches Register.
goingelectric.de/stromtankstellen/kategorie/Campingplatz - promobil: „E-Auto auf dem Campingplatz laden“, 28.01.2026 – zur Auslegung der Landstrom-Anschlüsse an den Parzellen.
promobil.de/tipps/e-auto-auf-dem-campingplatz-laden - Ostsee-Campingplatz Ostseequelle, Seite „EV Elektroauto willkommen“ – Praxisbeispiel für reglementiertes Laden am Stellplatz.
ostsee-campingplatz.de/elektroauto - BVCD / Deutsches Institut für Tourismusforschung, zusammengefasst im Tourismusnetzwerk Baden-Württemberg, 10.02.2025 – zu Netzkapazitäten und Investitionskosten.
bw.tourismusnetzwerk.info – Nachhaltigkeit im Camping - ECOCAMPING: „Ladeinfrastruktur auf Campingplätzen – was gilt es zu beachten?“ – zu Genehmigungspflicht ab 11 kW, Schieflast und Gleichzeitigkeitsfaktor.
ecocamping.de/ladeinfrastruktur-auf-campingplaetzen - ADAC: „Urlaub mit E-Auto und Wohnwagen: Geht das?“ – Praxistest mit Verbrauchs- und Ladedaten.
adac.de/reise-freizeit/ratgeber/tests/elektroauto-mit-wohnwagen