Elektro-Camper-Kastenwagen - warum sind sie so selten?

Wir fahren einen Kastenwagen auf Basis des Citroen Jumper:

5,99m lang, 2,65m hoch, 3,5t zulässiges Gesamtgewicht. In der Kastenwagensprache also einen L3 (Länge 3) H2 (Höhe 2).

Ein Blick in die Zulassungsbescheinigung zeigt:

Aktuell sieht die Situation bei uns so aus:

Fahrzeug / KomponenteSpezifikation / Gewicht
Clever Celebration
- inkl. Kraftstofftank 90% vollgetankt
- Fahrergewicht 75kg (wer hat sich das ausgedacht????)
- eine volle Gasflasche + 20L Wasser

Reichweite bei vollem Tank (125L) ca. 1300km
2976 kg
80 L Frischwasser wenn der Tank voll ist+ 80 kg
+ Tank ganz voll+ ca. 10,5 kg
Korrektur des Fahrergewichts + Beifahrerin (ich sage nicht wie sich das verteilt…)+ ca. 125 kg
verbleibende Zuladung+ ca. 308 kg
zulässiges Gesamtgewicht3500 kg

Wir haben keine Markise, kein Solar, keine AHK, keinen Fahrradträger. Sonst wäre die verbleibende Zuladung noch geringer.

Wenn man einen “nackten” unverglasten Diesel Jumper nimmt, kommt man auf ein fahrbereites Leergewicht von ca. 2200 kg. 

Der traditionelle Ausbau wiegt also ungefähr 767 kg bei unserem derzeitigen Camper. 

Vergleicht man die effektive Nutzlast der Basisfahrzeuge, wird klar, wohin die Rechnung gleich geht:

Kastenwagen Citroen Jumper L3H2 unverglasteffektive Nutzlast in kg
Dieselantriebca. 1240-1420 kg (Herstellerangaben)
Elektroantriebca. 635 kg (eigene Berechnung auf Basis der Herstellerangaben)

Unter den gleichen angenommenen Bedingungen ergeben sich folgende Zahlen:

Wie würden die Zahlen im Detail bei der Elektro-Camper-Kastenwagen Variante ausehen?

Fahrzeug / KomponenteSpezifikation / Gewicht
Citroen e-Jumper (Kastenwagen L3H2 / 599 cm lang, 265,4 cm hoch)WLTP Reichweite bis zu 420 km (ohne Ausbau, also noch kein Elektro-Camper-Kastenwagen)ca. 2.865 kg
wenn unser Ausbau darin wäre (ohne Gasflaschen und ohne 125 L Diesel, aber auch mit 100 L Frischwasser)ca. 726 kg
Korrektur des Fahrergewichts + Beifahrerin ca. 125 kg
Gewicht bis jetzt3716 kg ohne jegliche weitere Zuladung
-> 216 kg Übergewicht
zulässiges Gesamtgewicht als Elektro-Camper-Kastenwagen3500 kg

Auch wenn die Rechnung natürlich nicht aufs Kilogramm genau ist, dürfte klar sein, warum die traditionellen Anbieter noch keine Elektro-Camper-Kastenwagen anbieten: Ein herkömmlicher Ausbau ist für einen Elektro-Camper-Kastenwagen (bei dem von mir gewählten Beispiel) ungefähr 520 kg zu schwer, wenn man eine vergleichbare Zuladung behalten möchte. Oder anders gesagt, man müsste ca. 68% Gewicht beim Ausbau einsparen, wenn man in der 3,5t Klasse bei vergleichbarer Zuladung bleiben will. Natürlich muss man nicht 100L Frischwasser spazieren fahren und auch beim Möbelbau sehe ich durchaus einiges an Potential an Gewichtsersparnis. 

Die Arbeitsplatten

und vor allem die Tischplatte

ist bei der aktuellen Modellgeneration schon deutlich dünner geworden. Alleine dieser Tisch mit der ausschwenkbaren Platte ist ein ganz schönes Gewicht, was meiner Meinung nach auch in leichter und stabil möglich ist.

Aber insgesamt dürfte das wohl der Grund sein, warum man aktuell Elektro-Camper-Kastenwagen nur bei Individualausbauern findet. Man kann natürlich auch einen Elektrokasten auf 4,2 t zulässiges Gesamtgewicht auflasten lassen, aber dieser vermeintlich einfache Weg zieht so manchen Nachteil nach sich.

Pro & Contra: Das Dilemma der Gewichtsklasse

Für angehende Elektro-Camper-Fahrer gibt es im Wesentlichen zwei Wege: Entweder man erzwingt den Verbleib in der 3,5-Tonnen-Klasse durch extremen Leichtbau, oder man akzeptiert die Auflastung auf 4,25 Tonnen (bzw. C1-Führerscheinpflicht). Beide Wege haben deutliche Vor- und Nachteile.

Weg A: Striktes Festhalten an 3,5 Tonnen (Leichtbau)

  • Pro: Keine Einschränkungen bei Tempolimits auf Autobahnen (freie Fahrt statt 100 km/h), PKW-Mautregelungen im Ausland gelten weiterhin, und das Fahrzeug darf mit dem normalen Führerschein der Klasse B gefahren werden.
  • Contra: Radikaler Verzicht beim Ausbau. Keine schweren Materialien, kleinere Wassertanks (z.B. nur 40 Liter statt 100 Liter), Einschränkung bei der Zuladung von Sportgeräten (E-Bikes) und ständige Angst vor der Waage bei Polizeikontrollen.

Weg B: Auflastung auf über 3,5 Tonnen (z. B. 4,25t für alternative Antriebe)

  • Pro: Volle Freiheit beim Ausbau. Es können komfortable Betten, solide Küchenzeilen und ausreichend Wasserreserven für echte Autarkie verbaut werden. Die Batteriegröße muss nicht künstlich klein gehalten werden.
  • Contra: Höhere Führerscheinkosten (Klasse C1 erforderlich, sofern kein alter Dreier vorhanden ist), jährliche TÜV-Pflicht bei älteren Fahrzeugen, Überholverbote für LKW treffen nun auch den Camper, und Tempolimits schränken das Vorankommen auf Langstrecken ein. Den alten Führerschein haben wir beide, das wäre also kein Problem. Die Geschwindigkeitsbeschränkung eigentlich auch nicht, weil man ja gerade mit einem Elektro-Camper-Kastenwagen nicht mit top speed unterwegs sein wird. Aber die anderen Einschränkungen könnten schon nervig werden.

Fazit & Ausblick 

Das 3,5-Tonnen-Dilemma zeigt, dass der Umstieg auf die Elektromobilität im Camper-Bereich ein radikales Umdenken erfordert. Wer den Komfort seines alten Diesel-Kastenwagens eins zu eins kopieren möchte, wird an der Waage scheitern. Wer sich jedoch auf das Abenteuer Leichtbau einlässt, behält die Flexibilität der 3,5t-Klasse.

Fraglich ist, ob sich die Hersteller schon auf den Weg begeben, sich an das Thema Leichtbau zu machen oder dies aufgrund geringer Nachfrage nach Elektro-Campern noch vertagen.

Vielleicht bekomme ich hierzu ja auf dem nächsten Caravan Salon in Düsseldorf ein paar Antworten. Vielleicht sieht man sich ja dort. Bilder und Berichte vom Caravansalon werde ich dann hier, bei Instagram und bei Facebook teilen.